Ein Notgroschen, Rücklagen, Geld auf der hohen Kante – alles dasselbe: Geld, das Du im Alltag nicht brauchst, für Notfälle und unvorhersehbare größere Einmalausgaben, die als halbe Katastrophe Deinen ganzen Alltag durcheinander bringen können. Du bist alleinerziehend und hast wenig Geld? Auch Du, vor allem Du solltest langsam einen Notgroschen ansparen. Langsam, aber stetig geht es.

Warum ein Notgroschen für Alleinerziehende besonders wichtig ist
Als Alleinerziehende haben wir kein zweites Einkommen. Dein Einkommen ist das Familieneinkommen, das alles trägt. Deswegen treffen dich unerwartete Ausfälle deutlich härter. Das beste Beispiel: Die Waschmaschine geht kaputt. Ein extrem wichtiges Werkzeug in einer Ein-Eltern-Familie und leider auch ziemlich teuer.
Ein Notgroschen, Geld auf der hohen Kante, ist dafür da, genau solche Katastrophen im Alltag schnell zu beseitigen. Damit der restliche Alltag in Deiner Ein-Eltern-Familie nur das gewohnte Maß an Chaos und Arbeit bereit hält. Genügend Geld auf einem Sparkonto zu haben, erlaubt Dir, einfach eine neue Waschmaschine zu bestellen. Im Idealfall mit Montageservice und Altgeräterücknahme. Klingt gut, oder?
Es gibt noch viele andere Beispiele für die Notwendigkeit einer Rücklage. Deshalb solltest auch Du einen Notgroschen haben und im Idealfall nicht anfassen. Das klingt eigenartig, weil es sich im ersten Moment so anfühlt, als ob Du Geld hast, es aber nicht nutzen darfst?!
So ging es mir auch, bis ich tatsächlich angefangen habe, mit Minischritten einen Notgroschen anzusparen. In den ersten Wochen und Monaten habe ich mich auch immer wieder gefragt: „Diese 30 Euro, die ich jetzt hier monatlich wegspare und auf mein Tagesgeldkonto verschiebe, darf ich die jetzt echt NIE mehr benutzen? Ich könnte dieses Geld hier und da und hierfür echt gut gebrauchen.“
Das Geld im Notgroschen hilft Dir, auch wenn Du es nicht abrufst (und ein wenig Zinsen gibt es auch)
Interessanterweise habe ich dann festgestellt, dass einen Notgroschen zu haben und diesen wirklich nicht anzufassen, mir doch etwas bietet: Viel Sicherheit und Frieden im Alltag. Weil ich eben weiß: Für die Basics in unserem Familienleben ist gesorgt. Und auch wenn jetzt etwas wirklich Ärgerliches passiert, habe ich genug Geld auf der hohen Kante, um eine neue Waschmaschine zu kaufen. Und mir einfach liefern zu lassen. Das entspannt mich auch im größten Chaos ein wenig.
Nach dem Frieden kam die Erkenntnis: Ich kann mit Geld umgehen. Ich, ja, ich kann sparen. Ich kann einen Batzen Geld ansparen UND ich lasse ihn unangerührt. Wenn ich das kann, dann kann ich noch viel mehr!
Ein weiterer Effekt ist, dass ich jetzt bei anderen finanziellen Dingen, die Risiko oder Ungewissheit beinhalten, mehr Ruhe habe und mehr Vertrauen und auch mehr Mut, in die Zukunft zu blicken. Das wünsche ich Dir auch! Lass uns beginnen:
Wofür ein Notgroschen gedacht ist – und wofür nicht
Dein Notgroschen soll Dich bei unvorhergesehenen Geldproblemen auffangen und Deinen Alltag beschützen.
Ein Notgroschen ist gut bei:
- Waschmaschine kaputt
- Auto oder wichtiges Fahrrad kaputt
- Jobverlust
Für Alleinerziehende sind aber diese Dinge noch viel problematischer:
- Der andere Elternteil zahlt mehrere Monate keinen Unterhalt.
- Du musst kurzfristig umziehen und sogar einen Monat doppelt Miete zahlen.
- Deine Betreuungslösung bricht weg, und Du musst Geld für Ersatzbetreuung ausgeben.
- Du wirst mehrere Wochen krank und kannst organisatorisch nicht alles selbst stemmen.
Wie hoch sollten die Rücklagen sein?
Im Internet findest Du Empfehlungen zur Höhe des Notgroschens. Eine übliche Angabe ist, dass er drei Monatsbudgets hoch sein sollte. Das bedeutet also, dass du, wenn dein Einkommen von heute auf morgen entfällt, zum Beispiel durch einen Jobverlust, dich und deine Ein-Elternfamilie drei Monate über Wasser halten kannst. Alles läuft seinen gewohnten Gang. Im Idealfall, heißt es, solltest du sogar Rücklagen für ein halbes Jahr haben.
Aus meiner persönlichen Sicht sind diese Summen für Alleinerziehende völlig unrealistisch hoch. Vor allem wenn du gerade beginnst, einen Notgroschen aufzubauen. Ich nehme an, dass sie aus dem Amerikanischen kommen und darauf basieren, dass viele Menschen weniger strengen Kündigungsschutz genießen, sodass du von einem Tag auf den anderen tatsächlich deinen Job verlieren kannst. Und dann wäre es natürlich sehr erstrebenswert, ein Vierteljahr oder gar ein halbes Jahr vorgesorgt zu haben, solange bis du einen neuen Erwerbsjob findest. Außerdem sind im US-amerikanischen Gesundheitssystem viele Menschen nicht ausreichend durch Krankenversicherungen abgedeckt, sodass sehr hohe Kosten für Behandlungen von ihnen persönlich getragen werden müssen.
Aus meiner Alleinerziehenden-Sicht war es beängstigend, so zu rechnen. Damit konnte ich nichts anfangen, die Höhe schüchterte mich ein. Deswegen möchte ich dir jetzt gerne hier vorstellen, was ich als Notgroschen für Alleinerziehende in Deutschland sinnvoll finde.
Wie hoch ist ein realistischer Notgroschen für Alleinerziehende in Deutschland?
In Deutschland werden Krankheitskosten von den Krankenkassen getragen, und du kannst auch nicht ohne Weiteres kurzfristig gekündigt werden. Deshalb ist für mich persönlich die Summe „drei Monate Fixkosten“ viel zu hoch als Ziel. Es gibt ohnehin keine Pflicht, einen Notgroschen zu haben, keine Famlie ist gleich. Deshalb kannst Du die angestrebte Höhe Deines Notgroschens auch gleich selber festlegen. Nimm als Ziel und Motivation, was sich für Dich mit etwas Mühe machbar anfühlt und Dir dennoch genug Sicherheit gibt. Was Du für Dich als Rücklagen etablierst, ist sehr persönlich, es gibt kein „richtig“ oder „falsch“.
So habe ich für mich die Höhe des Notgroschens, wie ich sie ansparen möchte, ermittelt. Ich habe mich gefragt:
Was ist der größte finanzielle Notfall, der mir realistisch passieren kann? Wann kommt mein Alltag ins Wanken? Daraus folgt die Höhe meines persönlichen Notgroschens.
Ich habe überlegt: Das schlechteste Szenario, der größte Notfall, der mir in meinem alleinerziehenden Alltag passieren könnte, wäre eine Wohnungskündigung. Zusätzlich zum Wohnungs-Finden und Umzugsstress müsste ich einen Umzug finanzieren und vermutlich sogar einen Monat doppelt Miete zahlen, in der alten und in der neuen Wohnung. Weil ich für die neue Wohnung ja auch Kaution zahlen muss, gehört dafür auch etwas in den Notgroschen. Meist ist das Problem, dass man die Kaution aus der alten Wohnung noch nicht wieder zurückhat, wenn die neue Kaution fällig ist. Deswegen habe ich gerechnet, dass ich die Hälfte der Kaution von der Wohnung auch noch auf dem Notgroschen haben möchte. Nur die Hälfte? Ja, rechtlich ist es nämlich möglich, die Kaution in Raten zu zahlen., also habe ich eine Rate = eine Nettokaltmiete noch hinzugenommen. Dann habe ich noch Umzugskosten draufgeschlagen, einfach Pi mal Daumen 700 Euro und dann noch weitere Kosten beim Umzug. Zum Beispiel: Handwerker: jemand, der etwas in der alten Wohnung repariert oder vielleicht noch was streicht, was ich nicht geschafft habe, oder Kinderbetreuung oder irgendwelche weiteren Hilfen. Und das habe ich sehr großzügig gerechnet. Einfach, um sicherzugehen, dass ich dann einen Notgroschen habe, der mich in der größten Katastrophe wirklich auffängt und entlastet.
Zusammengenommen habe ich persönlich für mich als Notgroschen angepeilt:
- Einen Monat extra Miete
- Umzugskosten
- Kinderbetreuung während des tatsächlichen Umzugs
- Handwerkerkosten
- Puffer und aufgerundet
Damit bin ich auf einen Notgroschen-Höhe gekommen, die zwar auch sehr hoch ist, aber längst nicht so hoch wie drei Monatsbedarfe. Außerdem finde ich viel es besser verständlich, dadurch schüchtert die schiere Zahl mich nicht so ein.
Du weißt nicht, welche Zahlen Du ansetzen sollst? z.B. was ein Umzug oder was Dein persönlich finanzieller größter Unfall kosten könnte? Wenn Du keine eigenen Erfahrungen hast und es auch nicht herleiten kannst, scheu Dich nicht, Internet oder KI zu fragen. Es geht nicht darum, präzise „korrekte“ Angaben zu haben – sondern, dass Du mal eine Zahl annimmst und dann lossparst. Der größte Fehler wäre jetzt, gar nicht anzufangen, weil Du nicht alles genau ausrechnen kannst.
Wie geht es dir damit? Was wäre für dich die größte finanzielle Katastrophe? Was kommt bei deiner persönlichen Rechnung heraus?
Die Zahl ist überwältigend hoch, Du weißt gar nicht, wie Du das überhaupt schaffen sollst? So ging es mir auch, und meine Erfahrung dazu ist: Fang einfach an. Vielleicht kennst Du das Sprichwort: „Wie isst man einen Elefanten? In kleinen Stücken!“Meinen Notgroschen habe ich nicht durch einen mittelgroßen Lottogewinn aufgefüllt, sondern durch wöchentlich 10 Euro begonnen.
Fang an: Der erste kleine Puffer wirkt Wunder
Die ersten Monatsraten wirst Du das Sparen noch bewusst miterleben – und Dir vielleicht denken: Schade ums schöne Geld. Aber wenn Du weitermachst, wirst Du merken: Der erste kleine Puffer wirkt Wunder. Du wirst fast ein wenig ambitioniert und willst es auf die nächsten Hundert oder so schaffen. Ich habe erlebt, dass eine Überweisung auf mein Notgroschenkonto sich besser angefühlt hat, als mir irgendwas zu kaufen. Na, eigentlich habe ich mir ja auch etwas gekauft: Ruhe, Rückendeckung und Stolz auf mich, weil ich sparen gelernt habe.
Wo Du Deinen Notgroschen am besten aufbewahrst
Ganz klar: Der Notgroschen gehört nicht unter Dein Kopfkissen. Zum Einen, weil die Inflation dann dran nagt und seinen Wert verringert. Zum Zweiten, weil DU wahrscheinlich dran nagen würdest. Stimmt’s?
Der Notgroschen gehört daher auf ein Bankkonto, wo er
- jederzeit für Dich innerhalb von 2-3 Tagen zugänglich ist – also kein Festgeldsparen oder Ähnliches,
- Dir noch Zinsen erarbeitet,
- aber im Alltag nicht spontan aufbrauchbar ist – z.B. während des Einkaufs.
Der richtige Ort ist deshalb ein Tagesgeldkonto. Das Eröffnen geht übrigens durch Apps mit Gesichterkennung sehr schnell, Du musst nicht mal mehr PostIdent machen, um Dich offiziell auszuweisen.
Wie Du trotz wenig Geld Rücklagen aufbauen kannst – so geht’s.
- Eröffne Dir ein Tagesgeldkonto.
- Lege für Dich fest, was Dein persönlicher „finanzieller Notfall“ wäre und leite davon Dein Sparziel ab.
- Finde raus, was Du wöchentlich oder monatlich von Deinem Geld zur Seite legen kannst. Idealerweise hast Du Dir ein Budget erstellt und kannst es daraus auslesen. Kein Betrag ist zu klein! Wenn es monatlich 20 Euro sind, ist das super. Mehr ist besser, weniger ist auch okay.
- Richte einen Dauerauftrag für die Summe auf das Tagesgeldkonto ein. Und zwar am Tag, wenn Du Geld erhältst, nicht für Monatsende!
- Lebe Dein Leben. Vergiss den Dauerauftrag und lass ihn in Ruhe.
- Wenn Du Sonderzahlungen erhältst, Gehaltserhöhungen oder andere Geldgeschenke: Nimm einen Großteil (z.B. drei Viertel), wenn nicht sogar Alles davon und schiebe es gleich auf das Tagesgeldkonto bzw. erhöhe den Dauerauftrag.
Profitipp: Überlege Dir jetzt schon, welchen Prozentsatz Du dann für den Notgroschen nehmen wirst. Schreibs Dir auf. Wenn dann unverhofftes Geld reinkommt, ist es einfacher, das Sparen durchzuziehen.
Deine finanzielle Sicherheit beginnt mit 20 Euro
Denke an das Bild mit dem Elefanten, den wir in Scheiben essen. Der Elefant ist der anzusparende Notgroschen, und Deine ersten kleinen Beträge auf Dein Sparkonto werden nur die Schwanzspitze des Elefanten ausmachen. Das ist völlig normal und ok, fang einfach an. Es geht darum, Sparen zu lernen, und nicht darum, gleich volle Kanne durchzustarten. Feier Dich für erreichte Meilensteine und für Deine Motivation!
Folgende Meilensteine finde ich hilfreich beim Sparen auf den Notgroschen:
Diese Meilensteine können Dir beim Durchhalten helfen. Nimm die, die Dir helfen, pass die anderen für Dich an und los geht’s:
- 20 Euro. Ja! Feier Dich, dass Du ein Sparkonto eröffnet hast und die ersten Euros eingezahlt hast. Toll, dass Du rausgefunden hast, was Du zurücklegen kannst.
- 100 Euro. YES! Bei einer Monatsrate von 20 Euro bist Du schon fast ein halbes Jahr dabei. Super! Und vor allem: 100 Euro sind viel Geld und wären so super für ein neues Kleidungsstück etc. pp. Aber Du bleibst hart und das Geld auf dem Sparkonto.
- 250 Euro. Du bist schon ein ganzes Jahr mit 20 Euro im Monat dabei und hast das Konto nicht angefasst. Hervorragend!
- 500 Euro. Wahnsinn, Du hast die erste richtige Hürde genommen: Jetzt könnte Deine Waschmaschine spontan kaputt gehen, aber das bringt Dich nicht aus der Ruhe. Du hast genug Geld gespart für eine richtig gute neue Maschine inkl. Lieferservice. Klopf Dir selber auf die Schulter und gönn Dir ein großes Stück Kuchen/ein Eis/einen Mega-Latte macchiatto frottato etc. pp.
- 1.000 Euro. Tadaa! Je nach Wohnlage hast Du jetzt vermutlich mindestens eine Monatsmiete auf der hohen Kante.
- 3.500 Euro. Der Wahnsinn: Jetzt hast Du – je nach Deiner persönlichen Rechnung – genug gespart, um einen Umzug mit doppelter Miete ohne Verschuldung und wenig Nervenzusammenbruch durchzuziehen. Wie super bist Du denn! Und das Beste: Bei einer Verzinsung von 2 % im Jahr wächst Dein Notgroschen jährlich um ca. 50 Euro (Kapitalertragssteuer und Soli schon abgezogen.)
- mehr – z.B. drei Mal Dein Monatsbudget. Jetzt weißt Du, wie Sparen geht. Vermutlich merkst Du auch die stille Sicherheit, die Dir das passive Geld gibt. Herzlichen Glückwunsch!
- noch mehr – sechs Mal Dein Monatsbudget: Du könntest theoretisch ein halbes Jahr ohne Einkommen sein und dennoch würde der Alltag laufen und Du dich nicht verschulden.
Wenn Sparen gerade gar nicht möglich ist und Du Geldsorgen hast
Wenn Du einen harten Monat hast, ist es natürlich möglich, Deine Sparrate auszusetzen.
Ich schlage aber vor, die Sparrate lieber nur runterzusetzen, aus folgendem Grund: Wenn Du den Dauerauftrag löschst, wirst Du höchstwahrscheinlich nicht wieder einsetzen, weil das Leben dazwischen kommt. Wenn Du ihn stattdessen aber beibehältst und z.B. auf 10 Euro im Monat verringerst (das sind nur 2,50 Euro in der Woche), wirst Du beim nächsten Blick auf Dein Konto daran erinnert, dass Du einen Notgroschen anlegen wolltest. Das erhöht die Chancen, dass du dabei bleibst und hoffentlich den Dauerauftrag langsam wieder aufstockst.
Feier Dich dafür, dass Du Dich um einen Notgroschen kümmerst!
Egal, wieviel du monatlich sparst, feier dich dafür! Feier dich, dass
- Du angefangen hast, drüber nachzudenken.
- Du dich um ein Sparkonto gekümmert hast.
- Du herausgefunden hast, wieviel Du zur Seite legen kannst.
- Du das auch dauerhaft tust!
- Du das Geld nicht für Alltägliches ausgibst. Yay!
Feiern = megaviel Geld ausgeben in Form von Shopping oder groß Essengehen wäre natürlich nicht so förderlich für Deinen Kontostand. Finde etwas Kleines, das Dir Freude macht und Dich durchhalten lässt!
Ich freue mich auf Deine Meinung, hinterlasse gerne einen Kommentar:
Hast Du einen Notgroschen? Wie weit bist Du schon damit? Brauchst Du Hilfe beim Starten?

