Schlechte Gefühle: Warum sie wichtig sind – gerade für Alleinerziehende
Herzlich willkommen zu einem Date mit Wut, Neid, Scham und Eifersucht!
Einige Gefühle sind schlecht, hässlich, unschön, gar unerwünscht. Sie fühlen sich unangenehm an, und Viele von uns haben während der Kindheit gelernt, dass wir diese Gefühle möglichst nicht haben sollten. Und wenn doch, dann sollten wir sie möglichst schnell beseitigen, runterschlucken, ignorieren. Aber auf keinen Fall benennen, ansprechen oder gar laut ausleben. Das ist schade, und in vielen Fällen auch ein Problem.
Mit schlechten Gefühlen ist es ein wenig wie mit einer Muskelverspannung.
Stelle Dir vor, Du hättest Dir den Nacken auf einer Seite so richtig verdreht, Du bist verspannt, und es tut scheußlich weh.
Nun hast Du zwei Möglichkeiten: 1. Es ignorieren oder 2. Dich drum kümmern.
- Ignorieren: Ich bin gar nicht verspannt.
Wenn Du die Verspannung ignorierst, tut es weiterhin weh, aber irgendwie geht es schon, ist ja nicht soo schlimm. Dein Körper wird intuitiv in eine Schonhaltung gehen, um die schmerzende Stelle weniger zu bewegen. Dann geht der Tag ganz gut rum. Du gehst zwar ein bisschen krumm, aber wenn Du Dich ein wenig einschränkst und nicht mit den Kindern rumrennst, dann geht es ganz ok. Nach ein paar Tagen zieht es in der Hüfte auf der anderen Körperseite, weil Du ja schon ein wenig schief und versteift bist. Irgendwann ist der steife Nacken wieder weg, aber kommt leider häufig wieder. Zu welchen Anlässen aber, das kannst Du nicht so richtig nachvollziehen. Das Fangenspielen mit den Kindern vermeidest Du lieber mal. - Deine andere Möglichkeit ist, Dich drum zu kümmern.
Du gehst zum Physiotherapeuten, zur Massage oder zum Pilates. Und es tut höllisch weh. HÖLLISCH. Beim Druck auf das Zentrum des Schmerzes denkst Du, Du kippst gleich um. Dass die Massage solche Schmerzen verursachen kann! Das ist ja viel schlimmer als vorher!
Und dann ist es plötzlich besser. Der Physio weist Dich darauf hin, dass Du womöglich Einlagen tragen solltest, weil ein Bein etwas kürzer ist. Und empfiehlt Dir Bewegung, Wärme und Schutz vor Luftzug. Ein wenig später hast Du wieder eine Verspannung im selben Muskel. Dieses Mal weißt Du, was Du tun kannst.
Mit schlechten Gefühlen ist es wie mit kleinen Verletzungen. Sie gehören zum Leben wie schöne Gefühle auch, Du kannst ihnen nicht entkommen.
Wenn Du sie ignorierst und hoffst, dass sie sich von selber „erledigen“, gehen sie jedoch nicht weg. Stattdessen lernt Dein Gehirn eine ganz wichtige Lektion: „Das hier ist total unangenehm, nächstes Mal unbedingt vermeiden!“ Dein Gehirn will Dir helfen und versucht, Dich derart zu steuern, dass Du sie nicht wieder so stark spürst. Es steuert Dich weg von vermeintlich gefährlichen Situationen in eine „Schonhaltung der Gefühle“. Vielleicht schränkst Du Deine Handlungen ein oder beginnst, das Gefühl bei Dir und Anderen einfach zu ignorieren.
Und das hat Folgen für Deine Beziehungen: Menschliche Beziehungen sind einfach fehleranfällig, irgendwann wird so ein unangenehmes Gefühl wieder auftauchen, bei Dir oder einer Person in Deiner Nähe. Dir in Deiner Schonhaltung bleibt dann nur übrig, das Problem zu ignorieren, das Gefühl selbst zu negieren oder Dich selber zurückzuziehen, weil das Ganze Dich überfordert.
Wenn Du aber gelernt oder Dir selber beigebracht hast, dass unangenehme Gefühle dazugehören und sogar hilfreich sind, dann passiert die Magie: Sie verlieren ihre Größe, das Abschreckende! Es wird weiterhin Ärger, Neid und Scham in Deinem Leben und Deiner Familie geben. Wenn Du ihnen Raum gibst und Dich drum kümmerst, erledigen sie sich jedes Mal ein klein wenig schneller. Und hinterher bist Du ein Stück glücklicher.
Anders gesagt: Wenn Du nicht weißt, wie Du mit den ungeliebten Rosinen im Käsekuchen des Lebens umgehen sollst, ist ja ein Großteil des Lebenskuchens für Dich unzugänglich.
Alt werden mit einer Gefühlschonhaltung und „ohne schlechte Gefühle“ – problemlos möglich
Für Menschen ist es erstaunlich lange möglich, in der Schonhaltung der Gefühle zu bleiben. Nicht selten übersteht dies auch eine professionelle Therapie oder Coaching. Sicher kennst auch Du auch, der augenscheinlich sein Leben im Griff hat, aber tatsächlich vor jedem möglichen Anlass zu Gefühlen wie Neid und Wut zurückscheut.
Für Alleinererziehende: Keine gute Option
Für Eltern und vor allem Alleinerziehende aber ist es enorm wichtig, dass sie sich trauen und die Klaviatur der Gefühle ganz spielen lernen: Denn Deine Kinder übernehmen fast alles von Dir. Sie werden auch Deine Schonhaltungen übernehmen, instinktiv und ohne dass Ihr jemals drüber gesprochen habt. Und Hand aufs Herz: Möchtest Du Deinem Kind ein vermeidendes Verhalten für sein ganzes Leben mitgeben, eine Schonhaltung für eine Verletzung, die Du mal davon getragen hast?
Um im Bild mit dem steifen Nacken zu bleiben: Wie traurig ist doch die Vorstellung, dass Dein – völlig gesundes – Kind eine schiefe Körperhaltung und eher langsame Bewegungen von Dir übernimmt, weil Du mal verletzt und verspannt warst?
Für kinderlose Erwachsene ist eine Beschäftigung mit schlechten Gefühlen eine Chance, mehr aus dem Leben zu machen.
Für Alleinerziehende und generell Eltern sollte sie Pflicht sein, weil wir Vorbilder für die nächste Generation sind.
Also nimm Dir Zeit, auch über die unangenehmen Gefühle nachzudenken und zu sprechen. Lass uns mit den folgenden beginnen:
Mehr Zeit für Dich
Finde entspannte Zeit für Dich alleine und mit Deinen Kindern. Komme gesünder durch den Alltag.
Guter Umgang mit Gefühlen
Nutze Deine Gefühle, anstatt sie zu ignorieren. Es wird Dir guttun – und Deiner Familie auch.