Alleinerziehend oder Einelternfamilie?
Eine Familie ist nicht weniger Familie, nur weil sie aus nur einer erwachsenen Bezugsperson besteht.
Deshalb sprechen wir hier bewusst von der Ein-Eltern-Familie – auch wenn das Wort zunächst ungewohnt klingt.
Was bedeutet Einelternfamilie?
Eine Einelternfamilie oder Ein-Eltern-Familie ist eine Familie, in der ein Elternteil den Alltag mit einem oder mehreren Kindern gestaltet. Das klingt sachlich – und das ist gut so. Denn Sprache formt unser Denken.
Wir sprechen von „Ein-Eltern-Familie“:
Weil es klar und respektvoll beschreibt, was Du leistest – ohne Dich auf „allein“ zu reduzieren.
Weil es zeigt:
Ihr seid eine komplette Familie.
Warum wir „Einelternfamilie“ sagen und nicht „alleinerziehend“
„Ein-Eltern-Familie“ benennt die Struktur Deiner Familie – ohne zu werten. Und fügt auch das hinzu, was LehrerInnen und ErzieherInnen meist nicht leisten und was doch die meisten Nerven kostet:
Die Familienarbeit.
Da sein, zuhören, reagieren, begleiten. Verhandeln, nachgeben, durchsetzen, trösten.
Zwischendurch: Erwerbsarbeit, Schnupfennase, Putzen, Arzttermine, Schuhe kaufen, Brotdose, Kita, eigene Gefühle, Sorgen, Waschmaschine, Rentenloch – häufig gleichzeitig. Und oft ohne Pause.
Und vor allem ohne zweiten Erwachsenen, der mal übernehmen würde. Meist in voller alleiniger Verantwortung.
Warum nicht einfach „alleinerziehend“?
- „Alleinerziehend“ betont vor allem den Mangel, nicht aber, was Du eigentlich leistest. Ich persönlich wehre mich, mich als Elternteil über einen Mangel zu definieren. Ich leiste täglich so viel mehr: Ich gestalte eine Familie und gebe ihr Raum. Das Wort Alleinerziehend wird dem einfach nicht gerecht und frustriert mich, weil es suggeriert, dass meine Familie nicht ausreichend und nicht „richtig“ sei.
- Ist denn „Erziehen“ wirklich das, was Dich als Elternteil die meiste Zeit und Nerven kostet? Wo bleiben denn da Hausarbeit, Carearbeit, Familienorganisation etc. pp.? Ganz zu schweigen von Deiner eigenen inneren Arbeit und Reflexion.
- Kaum jemand erzieht wirklich allein. Viele Menschen wirken mit – bewusst oder unbewusst. Großeltern, FreundInnen, ErzieherInnen, LehrerInnen oder einfach der nette Nachbar, der beim Fahrradaufpumpen hilft. Auch der immer unfreundliche Nachbar, der das Ballspielen im Hof verbietet, erzieht unsere Kinder mit. Indem er ihnen die Grenzen ihrer Freizügigkeit aufzeigt und (vielleicht etwas zu barsch) klar macht, was er sich wünscht und was nicht.
Das kann hilfreich und nett sein, aber auch nachteilig: Wenn sich Menschen in Eure Beziehung einmischen, weil sie denken, sie wüssten es besser. - Aber was die alle nicht machen: Die Familienarbeit. Das Immer-da-sein, auch wenn Du selber eigentlich nicht mehr kannst. Und wieviel Du im Alltag wirklich leistest. Und das bildet meiner Meinung nach der Begriff „Einelternfamilie“ deutlich besser und freundlicher ab.
Ist das nicht nur Wortklauberei?
Ich finde: Nein. Sprache schafft Wirklichkeit. Wer gute Worte hat, kann Dinge besser benennen – und darüber entscheiden. Wer keine Worte hat, hat keine Wirkung. Das fängt beim eigenen Körper an (Sexualerziehung!), geht über das Benennen der eigenen Gefühle und führt zu der Gesellschaft, in der wir leben.
Und: Sprache beeinflusst, wie wir über uns denken (so funktionieren Affirmationen) – und wie andere über uns sprechen.
Sprache bildet unser Weltbild ab – und formt es wiederum.
Probier es doch einfach mal aus: Bei der nächsten Gelegenheit, in der Du „alleinerziehend“ genutzt hättest, tausche es gegen „Ein-Eltern-Familie“ aus. Und horche dem Klang hinterher, welchen Effekt es hat und welche Wertung es hinterlässt.
Wenn Du keine Worte hast, hast Du keine Wirkung.
Zwei Gründe, warum Du hier trotzdem auch „alleinerziehend“ liest:
- Lesbarkeit und Vielfalt: Damit die Texte verständlich und abwechslungsreich bleiben.
- Auffindbarkeit im Netz: Viele Menschen googeln nach „alleinerziehend“, nicht nach „Ein-Eltern-Familie“. Damit Du uns findest, brauchen wir (noch) beide Begriffe.
Finanzielle Unterstützung für Alleinerziehende
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Unangenehme Gefühle nutzen
Selbst die unangenehmensten Gefühle haben ihren Sinn. Wir schauen gemeisam mal genau hin.
Hobbys für Mütter
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Mehr Zeit für Dich
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